(Antimuslimischer) Rassismus im österreichischen Gesundheitssystem

Eine explorative Studie zu gesundheitlichen Auswirkungen und rassismuskritischen Handlungsempfehlungen

Mit der Studie „(Antimuslimischer) Rassismus im österreichischen Gesundheitssystem“ veröffentlicht die Dokustelle Österreich eine explorative Analyse zu (antimuslimischem) Rassismus im österreichischen Gesundheitssystem. Die Untersuchung basiert auf einer quantitativen Online-Befragung von 45 muslimischen Personen bzw. Personen, die als muslimisch gelesen werden, und analysiert Diskriminierungserfahrungen im österreichischen Gesundheitssystem aus einer machtkritischen und rassismuskritischen Perspektive.

Die Ergebnisse zeigen deutlich: (antimuslimischer) Rassismus ist ein strukturelles Phänomen, das von Menschen aufrechterhalten wird. Er manifestiert sich unter anderem in Kommunikation, Diagnostik und institutionellem Verhalten und wirkt sich direkt auf Schutz, sichere Behandlung, Würde sowie das (bio)psychosoziale Wohlbefinden von Patient:innen aus. Besonders gravierend ist der Bereich des Nicht-Ernstgenommen-Werdens: 77,7 % der Befragten geben an, dass ihre Schmerzen oder Symptome nicht oder nur teilweise ernst genommen wurden. Für 44,4 % stellt die sichtbare muslimische Zugehörigkeit – etwa durch Kopftuch, Namen oder Hautfarbe – den Hauptgrund für Diskriminierungserfahrungen dar.

Machtkritisch eingeordnet macht die Studie sichtbar, dass das Gesundheitssystem gesellschaftliche rassistische Strukturen reproduziert. In Anlehnung an Public-Health-Forschung wird (antimuslimischer) Rassismus als sozialer Determinant von Gesundheit verstanden, der nicht nur psychisch, sondern auch körperlich wirkt. Die Studie formuliert zentrale Handlungsempfehlungen, darunter die institutionelle Anerkennung von Rassismus als Gesundheitsrisiko, verpflichtende rassismuskritische Fortbildungen, strukturelle Beschwerdemechanismen sowie die stärkere Einbindung muslimischer Communities.

Ein besonderer Dank gilt allen Teilnehmenden der Umfrage, die ihre Erfahrungen geteilt haben. Wir danken zudem Civitates – The European Democracy Fund für die finanzielle Unterstützung und das Vertrauen in diese rassismuskritische Arbeit sowie dem Team der Dokustelle Österreich für die kontinuierliche Begleitung des Projekts.

Hier geht’s zum Download der Studie.

Forschungsteam der AG Rassismus und Gesundheit der Dokustelle Österreich: Esmeralda Golubovic, Ümmü Selime Türe, a-l punkt, Gomana Soliman

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